Als Illustratorin arbeite ich für Kinder- und Jugendbücher, Magazine und Schulbücher. Hier ist mein aktuelles Portfolio:


Referenzen: Das Magazin, Berliner Morgenpost, Die Welt, Rowohlt, Piper, Loewe,
Thienemann, Ars-Edition, Ravensburger, Klett, Diesterweg, Schroedel,
Freies Geistesleben, Parabel, Esslinger, Coppenrath Verlag u. a.


Falls Sie Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit haben, 
kontaktieren Sie bitte meine Literaturagentin: 


Sarah Haag
Literaturagentin
Keil & Keil Literatur-Agentur

Schulterblatt 58
D-20357 Hamburg

Tel +49 (0)40 / 36 02 12 4 - 50
Fax  +49 (0)40 / 36 02 12 4 – 99
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Nava Ebrahimi
Sechzehn Wörter

Eine junge Iranerin namens Mona, die in Deutschland aufgewachsen ist, fährt zur Beerdigung ihrer Großmutter in den Iran und setzt sich, sich auf einmal weder Köln noch in der Heimat ihrer Verwandten zugehörig fühlend, mit ihren Wurzeln auseinander. Da ist die Sprache, in der schon einzelne Wörter Geschichten erzählen. „Hätte ich seine Worte ins Deutsche übersetzt, wäre mir ein Schauer über den Rücken gelaufen.“ (S.64) Ein Leben zwischen Tradition, politischer Willkür und Witz, den besonders ihre Großmutter innehatte und den Mona geerbt hat. Sie war „großzügig mit Liebe, verschwenderisch mit Verwünschungen.“ (S. 45) Sechzehn Wörter, sechzehn Kapitel. Eine eigenwillige Liebesgeschichte und die Suche nach der eigenen Identität. „Der Iran und ich, diese anstrengende On-Off-Beziehung…“ (S. 40) Dabei wird das Fremde zum Vertrauten und das Vertraute entdeckt Mona neu. Ein besonderer Roman einer jungen Erzählerin, die in Teheran geboren ist und heute mit ihrer Familie in Graz lebt.

Buchinfos: 320 S. btb Verlag, Hardcover



Paul Lowe

Meisterklasse Fotografie - Die Kreativgeheimnisse der großen Fotografen 


Wie fängt ein gutes Foto den Blick des Betrachters ein? Worauf achteten bekannte Fotografen, als sie ihre gerühmten Bilder schossen? Dieses Buch lehrt es uns. Die Auswahl von 100 herausragenden Aufnahmen berühmter Fotografen ist thematisch zusammengestellt und wird jeweils mit einer umfassenden Analyse und einer Beschreibung der technischen Details begleitet. Wir erfahren etwas über Entstehung der einfühlsamen Porträts, Landschaftsaufnahmen, Reportage- und bekannten Modefotos, die natürlich auch im Buch zu sehen sind. Das ist für jeden, der Fotos liebt, für Kreative aller Sparten interessant und inspirierend. Das Layout und die Aufmachung dieses Bildbandes erinnern an ein Arbeitsbuch und das ist auch die Intension. Ein Lehrgang zur Meisterklasse und eine spannende Einführung in die bewegende Geschichte und Praxis der Fotografie.

Buchinfos: 288 S. Prestel Verlag, Paperback mit vielen Abb.



Günther Jakobs
Reittier und sein Ritter Otto/ Ritter Otto und sein Reittier
Wende-Pappbilderbuch

Das Wort Reit rückwärts gelesen ergibt Tier. Günther Jakobs neues Kinderbuch sprüht vor originellen Einfällen. Die Geschichte ist in Reimen erzählt. Dass Autor und Illustrator ein und diesselbe Person sind, merkt man dem Buch an, es ergänzt sich perfekt in Bild und Wort. Die Geschichte vom mutigen Otto, der nicht zu spät zum Turnier kommen will, nur weil er ein kleines bisschen verschlafen hat. Er rennt los und hat gar nicht merkt, dass er, ja, etwas, vergessen hat. Wie auch, unterwegs muss er eine Reihe Abenteuer bestehen. Und wie es sich für einen echten Ritter gehört, ist sogar ein riesiger Drache dabei. Aber Otto ist nicht nur mutig, sondern auch schlau. Dreht man das Buch, wird die Geschichte aus Sicht des Reittiers erzählt. Das sucht Otto und erlebt dabei genauso Spannendes, sodass die beiden schließlich überglücklich in der Mitte auf einander zulaufen. Denn was reimt sich auf VERSÄUMT …?
Ein großer Vorlese- und Schauspaß für Helden jeden Alters.  



Buchinfos: farbig illustriert, Hardcover, Carlsen Verlag





Sempé
Kindheiten
Bildband mit Interview


Wer noch in letzter Minute einen Geschenktipp braucht und etwas sucht, dass jeden 
berührt, dem empfehle ich diesen großformatigen Bildband voller feiner Cartoons des französischen Meisters der Zeichenkunst. Die Kinder sind im Verhältnis zu den meist spießigen Erwachsenen wirklich klein, sie wurlen herum, sind kaum zu bändigen, treten in Rudeln auf oder stehen einsam am Strand, um sie herum die große Welt. Einer meiner Lieblingscartoons ist, wie die Mutter ihren Jungen am Fuß der Wendeltreppe auffangen will, aber er ist längst über das Geländer hinaus vorbeigewitscht. 

Manches wirkt wie hingehaucht, mit der zartesten Feder festgehalten. Es sind keine Schenkelklopferlacher, die die Bilder erzeugen, sondern es ist ein leiser, tiefsinniger, ja manchmal auch wehmütig stimmender Humor. Begleitet werden die zart-liebevollen Hommagen an die Kindheit von einem Interview mit Jean-Jacques Sempé. Ausführlich erzählt er darin von seiner eigenen Kindheit, die wenig glücklich war und wie er trotzdem das Beste daraus machte. Es steckt also auch noch philosophische Weisheit zwischen den Seiten. Mehr braucht es nicht, um glücklich zu lesen und zu lachen.



Buchinfos: 272 S., großformatiges Hardcover, Diogenes Verlag





Sebastian Smee
Kunst und Rivalität
Vier außergewöhnliche Freundschaften

Manet sticht auf ein Doppelporträt ein, das sein Freund Degas von ihm und seiner Frau gemalt hat. Im Wettstreit mit Matisse verändert Picasso seinen Kunststil radikal und malt eines seiner berühmten Meisterwerke. Francis Bacon und Lucian Freud verbindet die Selbstzerstörung. Man könnte als Leser fast meinen, große Kunst entstehe nur unter extremen Bedingungen. Der Pulitzer-Preisträger Sebastian Smee schreibt in diesem Buch über vier enge Künstlerfreundschaften und erzählt durch die Verknüpfung bisher unbekannter Zusammenhänge neue Geschichte über die großen Meister. Freundschaft und Rivalität, ein Aufreiben zwischen Bewunderung, Affären, Schaffenskrisen und Erfolgen. Dies macht Malerei aus, in ihr steckt oft mehr als ein Leben, die Kraft der Auseinandersetzung, die gelebte Zeit, der Kampf um das Erringen des Ausdrucks, den man sich als Künstler als inneres Ziel gesteckt hat. Darum faszinieren solche Meisterwerke auch noch in unserem Zeitalter der einfachen Reproduzierbarkeit. Matisse und Picasso, Manet und Degas, Pollock und de Kooning, Freud und Bacon. Diese acht Porträts lesen sich wie spannende Miniromane von dramatischer Wucht. Und nach einem Aufatmen wird man mit neuem, erfrischtem Blick in die Museen gehen.


Buchinfos: 398 S., Hardcover, Insel Verlag




Campi & Zabus
Magritte
Dies ist keine Biografie
Graphic Novel

Wieder eine Perle unter den Graphic Novels. Diesmal geht es um Magritte, die beiden Künstler, Thomas Campi (ein australischer Illustrator) & Zabus (ein belgischer Autor) haben versucht, den ganzen Zauber des Surrealisten zu verfassen und neu interpretiert. Das bietet Raum für eine eigenwillige Geschichte, in der der Held, ein Mann namens Charles, der den typischen Magritte-Hut, die Melone, nicht mehr absetzen kann und dabei eine verschobene Wirklichkeit erlebt. Das ist ein Hochgenuss für den Betrachter, in farblich und zeichnerisch stimmungsvollen Panels findet man das ganze Universum von Magrittes Werken, dazu eine Reihe philosophischer Gedanken. Denn Charles wurde auserwählt, die Geheimnisse des Malers zu ergründen. Wenn nicht, bliebe der Hut für immer auf seinem Kopf kleben. Das muss verhindert werden. Also los.  

Buchinfos: 64 S., Hardcover, Carlsen Verlag, zur Leseprobe geht's hier.




Franz Hohler
Das Päckchen
Roman

Aus Neugierde hebt Ernst den Hörer eines öffentlichen Telefons ab und wird mit Ernst angeredet. Obwohl es sich um eine Verwechslung handeln muss, besucht er die alte Frau, die ihn für ihren Neffen hält. Sie vertraut ihm ein Päckchen an, darin ist ein mittelalterliches Buch. So nehmen die Verstrickungen seinen Lauf. Und Ernst lügt sich von einer Ausrede zur nächsten, um der wertvollen Handschrift auf die Spur zu kommen. Genau auf diese leise, gemächliche, aber hartnäckige Art zieht der neue Roman des Schweizer Schriftstellers und Kabarettisten den Leser in den Bann. Bald ist man dicht an Ernst’s Seite und will einfach wissen, was es mit dem alten Wörterbuch auf sich hat und wie es entstand. Dazu erzählt Franz Hohler auch aus der Sicht des Skriptors, der als Benediktinermönch mit Frau und Kind von Kloster zu Kloster zieht. Das liest sich spannend und vergnüglich, ein Buch das viel Spaß gemacht hat.

Buchinfos: 222 S., Hardcover, Luchterhand Verlag




Hannah Coler
Cambridge 5 - 
Zeit der Verräter
Roman

Zu Beginn sind wir mitten drin, im beschaulich ruhigen Leben eines Geschichtsprofessors. Er analysiert seine Mitmenschen, die, die mit ihm bei Tisch sitzen. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass einige von ihnen eine Vergangenheit als Spione haben. Wie der Titel sagt, spielt der Roman in Cambridge. Es geht um Verrat und die Verwicklungen von Spionage bis heute, um fünf Studenten, die sich in den 1930er Jahren vom russischen Geheimdienst anheuern ließen und jahrzehntelang erfolgreich Informationen weitergaben. Das verwickelt den Geschichtsprofessor Hunt in einen Mordfall in der Gegenwart. Der Titel und auch das Cover suggerieren einen Agenten-Thriller, was in die Irre führt. Das Buch ist ein Roman, der nicht mit Krimispannung aufwartet, sondern ganz aus der Innensicht der Figuren erzählt.  Man merkt der Autorin an, dass sie Historikerin ist, sie legt großen Wert auf Details. Das liest sich teilweise recht wissenschaftlich nüchtern. Vielleicht wäre ein erzählendes Sachbuch für dieses spannende Thema das bessere Genre gewesen.

Buchinfos: 417 S., Hardcover, Limes Verlag



Efa/Rubio
Monet
Auf den Spuren des Lichts

Ein wundervoller Prachtband ist diese Graphic Novel im Großformat. Die Lebensgeschichte des Malers Claude Monet, sein alltäglicher Kampf, sich und seine Familie überhaupt mit seinen Bildern, die heute unbezahlbar sind, über Wasser zu halten. Der Autor Salva Rubio und der Zeichner Ricard Fernandez, der sich Efa nennt, erschufen eine spannende Geschichte, in Sprechblase und atemberaubend schön gemalten Bildern erzählt. Zu Beginn wird der Maler an den Augen operiert, er soll sich schonen und blickt ins Innere, erinnert sich an sein Leben. Sein Wunsch schon als Junge Künstler zu werden, einen anderen Weg zu gehen, als die akademischen Maler, bei der die Gemälde ausschließlich im Atelier entstehen. Seine Hartnäckigkeit, sein Ehrgeiz, trotz seines entbehrungsreichen Lebens seine Vorstellung von Malerei umzusetzen, den Impressionismus zu erfinden, und schließlich Anerkennung zu finden.  

Die Stimmungen der Szenen sind in Farben eingefangen. Die Gesamtkomposition über die Doppelseiten ist sehr gelungen. Auf den letzten Seiten sind die Bildzitate der Originalwerke von Monet im Vergleich mit den Panels der Graphic Novel dargestellt. Dabei erahnt man, wie viel mehr hinter dem fertigen Buch steckt, ein Mammutprojekt, das den Leser und Betrachter verzaubert und angesichts der Tragik von Monets Leben sehr nachdenklich stimmt.  





Gudrun Wegener
Kreativ sein, kreativ bleiben
Vom bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen

Als Kreativer setzt man nicht nur seine Arbeitskraft, sondern auch die ganze Persönlichkeit
ein, schreibt die Autorin im Vorwort. Mit Hilfe dieses Buches gelingt es, die eigene Schöpferkraft nicht bis zur Erschöpfung zu betreiben. Projektmanagement, Zeitfallen versus Fliegenfallen, die Kunst, ein gutes Ende zu finden u. v. m, erwartet den Leser in diesem inspirierenden Buch. Um die Übersicht bei mehreren Projekten zu behalten, stellt Gudrun Wegener, die selbst als Designerin arbeitet, mehrere Techniken vor, die analog oder digital genutzt werden können. Auch wenn man sich keinen Angestellten leisten kann, so gibt es doch Apps, die einiges an Arbeit abnehmen. Und bleibt am Ende doch noch genug zu tun, so gilt es die richtigen Pausen einzuhalten, das ist wie im Muskeltraining, auch Kreativität braucht Ruhe. Zu guter Letzt stellt die Autorin ihr eigenes Erste-Hilfe-Konzept für Motivationslöcher und gegen Aufschieberitis vor. Ein rundum gelungenes Buch, das sehr ansprechend gestaltet ist und allein schon beim Durchblättern und lesen für Ruhepausen in der Kreativität sorgt.

Buchinfos: 247 S., Hardcover, Rheinwerk Design Verlag


Robert Harris
München
Hörbuch
Gelesen von Frank Arnold

Robert Harris gilt als Spezialist für historische Stoffe, besonders deutsche Geschichte, die er als Engländer brillant weitergedacht hat, wie in seinen Romanen „Vaterland“ und „Enigma“, diesen Roman habe ich besonders gerne gelesen und fand ihn sehr spannend. „München“ spielt im September 1938 – in der bayerischen Hauptstadt oder wie es bald im Nazijargon heißen wird, in der „Hauptstadt der Bewegung“ treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden wird verhandelt und die Spannung zieht sich daraus, dass der Hörer weiß wie die Geschichte ausgeht. Harris schreibt wie immer sehr präzise, man hat das Gefühl mit am Verhandlungstisch zu sitzen. Detailreich und mit besonderen Charaktereigenschaften schildert er die Figuren, auch die des Widerstands. Geschickte Verhandlungstaktik, Winkelzüge kommen zum Einsatz. Trotzdem ermüdet man beim Hören ein wenig, allzu genau wird aus den wahren Dokumenten zitiert. Die Schauplätze sind letztendlich doch zu farblos geblieben, um bei mir Thrillerspannung zu erzeugen.

Hörbuchinfos: Random House Audio, gekürzte Lesung



Heute mal kein Buch, obwohl diese lustigen Grunzkarten aus den Bilderbüchern "Krümel und Fussel" stammen. Ich habe sie Online bei der Autorin Judith Allert und  Illustratorin Joëlle Tourlonias bestellt. www.krümelundfussel.de
Dort gibt es auch noch mehr zu den witzigen Wollschwein-Geschichten, die voll aus dem Leben gegriffen sind. 

Allein der Umschlag der Grunzpost und der Stempel sind ein Vergnügen. FRÖHLICHE SCHWEINACHTEN!!! 




Alexander Kluy
George Grosz
- König ohne Land -
Biografie

Endlich gibt es eine umfassende Biografie über den Maler und Zeichner George Grosz, (1893 – 1959). Er war einer der schärfsten Satiriker der Weimarer Republik, aber seine Werke sind zeitlos und dadurch immer noch aktuell. Alexander Kluy zeigt anhand von bisher unveröffentlichten Dokumenten das Leben und den Werdegang dieses großen Künstlers, verknüpft wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse mit persönlichen Erlebnissen von Grosz. Als Georg Groß in Dresden geboren, will er früh Künstler werden, lernt erst in seiner Heimatstadt, wechselt bald nach Berlin, wo er den Dadaismus in Berlin mitbegründet. Dort legt er sich auch den englisch klingenden Namen zu, um der Kaiserregierung und ihrem vorherrschenden Anti-Anglimus etwas entgegenzusetzen. Es folgt der Aufbruch nach Amerika und die Rückkehr in das Berlin der Nachkriegszeit, festgehalten in unzähligen Skizzen, Zeichnungen und Gemälden. „Grosz war eine Augenbestie, ein schamloser Exhibitionist, ein ironischer Lyriker, ein amerikanischer Wedekind, ein Eimer der Pandora! Aber auch ein Entertainer, ein Clown, ein Seiltänzer und Charmeur…Ein Künstler der Extreme, ein Mann grenzenloser Imaginationskraft – und auch Ehemann und Vater.“ Der Leser erlebt den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts durch den Blick des Satirikers, begegnet wie nebenbei vielen anderen bis heute berühmten Künstlern. Eine Geschichte von Aufstieg und Fall, Leidenschaft und Tragik, quer durch die Welt, grandios erzählt und lange nachklingend.


Buchinfos: 482 S., Hardcover, mit vielen Abbildungen, DVA Verlag






Meine schöne Buchhandlung
Fotografien von Andreas Licht
Texte von Elizabeth Bandulet und Maria Platte

Das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin, die Hamburger stories!, das Heidelberger WortReich, die Buchhandlung zur Rose in St. Gallen oder Wortwahl – Salon für Buchkultur in München haben eines gemeinsam: Sie sind schön. Das Wörtchen gilt sonst als abgedroschen und zu allgemein, hier trifft es einen Kern. Die ausgewählten Buchhandlungen aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten sind im Sinne Michael Endes schön, der in einem Interview sagte: „Für mich besteht das Schöne immer dort, wo eine Ganzheit von Herz, Kopf und Sinnen hergestellt wird, also dort, wo der Mensch in seine ursprüngliche Ganzheit wieder zurückversetzt wird.“ (in: „Kunst und Politik“, ein Gespräch zwischen Joseph Beuys und Michael Ende, Freie Volkshochschule Argental)
Die Fotos und Begleittexte machen Lust bei einer Städtereise diese Buchhandlungen zu besuchen. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, es werden die Inhaber vorgestellt und auch ihre Beweggründe, sich in Zeiten des „Big Players auf dem Buchmarkt“, wie es im Text heißt, zu behaupten. Ein Laden für Bücher kann etwas, was die tollste Internetseite nicht beherrscht, sie spricht die Sinne an und sie stellt eine individuelle Auswahl vor, die dem Leser keine vorgekaute Kost präsentiert, sondern Entdeckungen und literarische Perlen aufspüren lässt. „Eine gute Buchhandlung ist mehr als eine bloße Verkaufsstätte – sie ist ein Ort der Begegnung und der Inspiration.“ Zitat S. 6.
Außerdem ist dieses Querformat-Buch ein Handschmeichler und eine Augenweide, mit Liebe zur Gesamtausstattung wie alle Bücher des Knesebeck Verlags.



Jeff Kinney
Gregs Tagebuch 12
Und Tschüss!

Eine Urlaubsreise über Weihnachten, noch schlimmer für Greg, ANSTELLE von Weihnachten, d. h. es gibt sonst keine Geschenke. Und das noch dazu, wo Greg noch nie in seinem Leben geflogen ist. Im ersten Teil des Buches geht es um die aufregende Flugreise mit allen Details. Endlich am Urlaubsziel, einer angeblich paradiesischen Insel, auf der seine Eltern waren, bevor er und seine beiden Brüder geboren wurden, läuft wie gewohnt vieles schief, oder eben anders als Greg es erwartet und erhofft.
Wer auch immer die Idee hatte, diese Insel als „Paradies“ zu bezeichnen, scheint ein ziemlicher Scherzkeks gewesen zu sein. Bei uns zu Hause stehen die Menschen an der Spitze der Nahrungskette. Aber auf der Isla de Corales frisst alles die MENSCHEN.“, sagt Greg auf S. 201. Wie immer ergänzen die genialen Bilder den Text, die Illustrationen sind also eigenständige Teile der Handlung, das macht die Reihe so besonders. Die Handlung ist allerdings etwas ruhiger geworden, nicht so „gagreich“ wie die ersten Bände der Reihe, wo man aus dem Kichern nicht mehr herauskam, doch wie immer gibt es einen netten Spannungsbogen, die Kunst des Erzählens beherrscht der Autor nach wie vor. GREG und die Familie Heffley hat sich längst einen festen Platz in der Comic-Roman-Welt geschaffen und bleibt einfach ein Lese- und Betrachtungsgenuss!

Hier ist der Link zu Gregs Website.
Buchinfos: 216 S., Hardcover, mit vielen Illustrationen, Baumhaus Verlag



Labor Ateliergemeinschaft
Ich so, Du so
Alles supernormal
Kinderbuch mit vielen Abbildungen

Jeder ist einzigartig! Ein wahrer Genuss für alle Sinne ist das neue Buch der Ateliergemeinschaft Labor, die aus einer Gruppe bekannter Illustratoren und Autoren besteht: Kirsten Fabinski,Zuni Fellehner, Anke Kuhl, Alexandra Maxeiner, Jörg Mühle, Moni Port, NataschaVlahović und Philip Waechter. Diesmal geht’s ums verschieden sein. Einer ist verträumt, einer groß, manche haben eine andere Hautfarbe. Was ist normal? Auf vielerlei Arten nähern sich die Künstler in diesem Buch dem Thema an, das macht großen Spaß, regt zum Nachdenken an und inspiriert, den Alltag und auch den Sonntag aus anderen Perspektiven zu betrachten. Philip Waechters ganz persönliche Katastrophe im ersten Schuljahr und wie sie sich wieder in Luft auflöste oder wenn man verliebt ist, ist nichts mehr normal. Eine Anziehpuppe ohne Genderzwang. Ein Fragebogen zum Ausfüllen oder kopieren und an Freunde zu verteilen. Wie der Adventskalender 1879 entstand, auf recht bescheidene Weise und vieles mehr. Dazwischen und auch zuletzt gibt es Interviews mit sehr persönlichen Fragen, gezeigt werden dazu Fotos aus der Kindheit der Befragten und als Fan der Ateliergemeinschaft darf man raten, wer sich dahinter im heute „gesetzten“ Alter verbirgt.


Buchinfos: 176 S., Paperback, mit vielen farbigen Illustrationen, Beltz & Gelberg Verlag








Ulf Nilsson
Ein Fall für Buffy
Kommissar Gordon-Reihe
illustriert von Gitte Spee
Kinderbuch

Was kann schlimmer sein, als die eigene Mama zu verlieren? Als Kommissar Gordon, ein Kröterich und seine neuen Hilfspolizisten Bert und Gertrud, eine junge Maus und ein Fröschlein, das hören, fangen sie zu weinen an. Und können fast nicht mehr aufhören. Buffy, eine Maus, die seit den vorigen Bänden der Reihe in der Waldpolizei arbeitet, erzählt von dieser Trennung oder eigentlich nicht, denn ihr fehlt die Erinnerung. Ihre Mama war einfach plötzlich weg, zusammen mit ihren vielen Geschwistern. Gordon ermittelt. „Allerdings konnte man bei Mäusen nie so ganz sicher sein…Vielleicht verließen Mäuse ihre Familie und verschwendeten dann keinen Gedanken mehr an die Sache. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich alle wie eine ganz normale Kröte verhalten. Wir Tiere sind ja alle verschieden.“ (S. 28/29) Aber wie anfangen, wo sich Buffy doch an nichts erinnern kann? Da hilft bloß dichten, Gordon fordert seine Kollegin auf, Gedichte über ihre Mama zu schreiben und das tut sie und es hilft. Herrlich untermalt von den pastellfarbenen Illustrationen von Gitta Spee, sehen wir (Vor)leser eine Maus im großen Ohrensessel, vertieft ins Reimen. Mit diesen Versen als Reiseführer beginnt die Suche nach Buffys Herkunft. Mitzuverfolgen ist das Ganze im Vor- und Nachsatz auf einer wunderschön gezeichneten Karte. In diesem spannenden Abenteuer lösen Kommissar Gordon und seine Freunde den vielleicht allerwichtigsten Fall. Ein großer Genuss und Lesespaß für Groß und Klein.

Buchinfos: Moritz Verlag, Hardcover, 126 Seiten. Einen Blick ins Buch und weitere Infos, gibts hier. 



Carmen Korn
Zeiten des Aufbruchs
Hörbuch
Gelesen von der Autorin

Die Freundschaft von vier Frauen, die das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihre ganz persönliche Weise erleben. Wie schon im ersten Teil „Töchter einer neuen Zeit“ teilen Henny, Käthe, Ida und Lina auch in diesem zweiten Teil der sogenannten „Jahrhundert-Trilogie“ Glück und Leid im zerstörten Hamburg miteinander. Nun werden sie endlich belohnt für die Mühen des Wiederaufbaus. Mal spiegelt sich der Erfolg in den eigenen Kindern, mal, wie Lina, die eine Buchhandlung gründet, stellen sie selbst etwas auf die Beine. Ich gehe gerne in Lesungen, höre dem authentischen Ton der Schöpferin ihres Werkes zu. Ein Hörbuch ist für mich allerdings eine andere Ebene als eine Lesung, hier fiel es mir schwer, die schwankende, gefühlsbetonte Stimme der Autorin von der Geschichte zu trennen und somit ganz in den Text einzutauchen. Ich werde wohl besser meiner eigenen Stimme im Kopf folgen und die Geschichte als Buch lesen.


Hörbuchinfos: 9 CDs, gekürzte Lesung, Random House Audio



Markus Orths
Das Zebra unterm Bett
Illustriert von Kerstin Meyer
Kinderbuch

Ohne große Erklärung liegt eines Tages unter Hannas Bett ein echtes Zebra. Gerade als sie
mit ihren zwei Papas umgezogen ist, alles seine Eingewöhnungszeit braucht. Da kommt ein guter Freund an der Seite gerade recht. So kann Hanna sich kümmern, mit dem Zebra die neue Umgebung erkunden. „Bräuninger“, wie das Zebra heißt, begleitet Hanna nicht nur in die neue Schule, es wird sogar ihr neuer Mitschüler, was dem Direktor allerdings missfällt. Doch in der Schulordnung steht nichts über Zebras, und außerdem ist Bräuninger auch noch sehr gut in allen Fächern.
Markus Orths, dessen aktueller Roman „Max“ mich sehr begeistert hat, schreibt nicht nur für Erwachsene in einem ganz eigenen Erzählton. In diesem Kinderbuch gelingt es ihm mit wenigen Worte viel zu sagen. Perfekt ergänzen Kerstin Meyers aufs wesentliche reduzierte Aquarelle den Text. So bestehen Hanna und Bräuninger noch weitere Abenteuer in dieser vergnüglichen, rundum gelungenen Geschichte zum Vorlesen oder Selberlesen.






Andrea D’Aquino
Es war einmal ein Stück Papier
Das Praxisbuch Collagen

Man sieht Fotos, Farben, anregendes Papier und kombiniert es zu etwas Neuem, ergänzt es eventuell noch mit einer Zeichnung oder Wörtern. So entsteht eine Collage, mal ist die Idee vorher da, mal entsteht sie im Machen. „Hören Sie auf zu denken, alles müsse einen Sinn haben“, regt Andrea D’Aquino in ihrem Buch an. Denn oft ist die Kreativität nicht so laut wie der innere Kritiker, der alles in Frage stellt. Einfach loslegen, ausprobieren, mit Papieren und Formen spielen, bringt aber jeden Zweifler zum Staunen. „Machen Sie die ganze Welt zu Ihrer Palette.“ Wie, das zeigt die Autorin auf ungewöhnlich Weise, und sie gibt sogar Starthilfe. Die Inspiration springt die Leserin direkt an. Wer Schere und Kleber parat hat, kann sogar sofort loslegen, denn dem wunderschönen Buch ist eine Papiersammlung beigefügt, schnippeln erlaubt!


Buchinfos:
Hardcover, durchgehend farbig illustriert und Extra mit 50 Buntpapieren, 112 Seiten, Haupt Verlag


Walter Moers & Florian Biege
Die Stadt der träumenden Bücher
Teil 1: Buchhaim
Graphic Novel



Farbenprächtig, fantasievoll und detailreich entfaltet Florian Biege den ersten Teil des großen Romans von Walter Moers in diesem langersehnten Band. Die Geschichte ist für alle Vielleser gemacht, geht es doch um Bücherjäger, Büchermonster, Geschichtenerfinder und -finder, dunkle Antiquariate und unterirdische Bibliotheken. Spätestens jetzt weiß man, dass Hildegunst von Mythenmetz ein Drache ist und ganz Buchhain von nichtmenschlichen Wesen bevölkert ist. Nun hat die persönliche Fantasie, die sich vielleicht selbst (als nur drachenähnliches Wesen) durch die reinen Textseiten von Moers‘ Roman wandeln sah, eine beweiskräftige Ergänzung aus der Vorstellungswelt des Illustrators Florian Biege erhalten. Dass dabei durch die starke Kürzung des Textes, logischerweise hauptsächlich auf Sprechblasen beschränkt, etwas vom Moers’schen Sprachzauber verloren geht, ist schade. Aber uns bleibt ja noch das dicke Buch selbst zum Vergleich.

Buchinfos: Geb. durchgehend vierfarbig, 108 Seiten, Knaus Verlag



Deana Zinßmeister

Das Auge von Licentia

Jugendbuch

Für die einen ist es wie im Mittelalter, das Leben mit Wölfen und einfachen Gerätschaften, für die anderen eine Reality-Show; "Das Auge von Licentia" ist das erste Jugendbuch von Deana Zinßmeister. Sehr gekonnt verbindet die Autorin beide Welten, die voyeuristische Fernsehwelt mit einer zarten Liebesgeschichte. Man merkt wie immer bei all ihren Romanen, dass sie gründlich recherchiert hat, ob Drohnen oder der Umgang mit Wölfen, alles ist stimmig eingefügt. Bis sich das Geheimnis von Licentia lüftet, steigert sie die Spannung von Seite zu Seite und entlässt die Leser atemlos staunend. 

Buchinfos: 
Arena Verlag, Hardcover, 320 S. 





João Ricardo Pedro
Roman

Wenn du unbedingt barfuß laufen willst, dann lasse ich dir Hufe anschmieden wie bei meinen Mauleseln, sagte Duartes Großvater zu Duartes Vater, als er noch ein Kind war. Sein Vater lief am liebsten barfuß, doch das wurde nicht geduldet. Bis er von einem Hund gebissen wird, grausam bestraft wird und sich dafür an dem Hund rächt.  
Es gibt starke Bilder in dem aus dem portugiesischen übersetzten Roman. Diese Bilder sind ineinander verschachtelt und der Leser muss ich darauf einlassen, die Episoden springen anfangs wie Gedanken ohne Zusammenhang. Die Geschichte schweift mal hier, mal da hin, scheint zu entgleiten und fügt sich an unerwarteter Stelle wieder zusammen. Beim Lesen hat man das Gefühl ein Beobachter nahe eines Dorfes zu sein, dessen Bewohner keinen Eindringling dulden. Gewalt und Willkür, Sturheit, Mut und Trotz, innerhalb der Familie Mendes, Großvater, Vater, Sohn. Nicht alle Fäden werden zu Ende erzählt, so als würde sie der titelgebende Wind davontragen. Über allem schwebt die Musik, die der jüngste der Familie, ein begabter Klavierspielr, in sich trägt. Ein literarischer Roman mit einer feinsinnigen Sprache, der, wenn man sich darauf einlässt, in eine magisch-realistische Welt entführt.



Tiffany Watt Smith
Das Buch der Gefühle

Nach dem Lesen dieses Nachschlagewerks weiß man endlich, wie das heißt, was man gerade fühlt. Die Autorin hat versucht sämtliche Emotionen zu sammeln und wie Pilzsorten zu bestimmen. Darunter ist bekanntes, wie Liebe, Angst, Enttäuschung und Euphorie, und nie gehörtes (wenn vielleicht schon oft gefühltes) wie Matutolypea (Morgenmuffeligkeit) und Ruinenlust (die unwiderstehliche Anziehungskraft, die Ruinen auf uns ausüben). Das besondere des Buches ist, nicht nur die Fülle an aufgespürter Raritäten der Gefühlswelt, sondern wie die Autorin die Regungen des Inneren darstellt. Tiffany Watt Smith erzählt Geschichten über Gefühle und wie sie sich verändern. Sie beginnt mit einem Wolkenmaler. Für John Constable war der Himmel voller Emotionen, die er festhalten wollte. 



JohnConstable, The Yorck Projekt. Quelle Wikipedia


Danach erklärt sie was Emotionen überhaupt sind und wer sie erfunden hat. Ein wunderbares Buch und eine große Inspiration, nicht nur für jene, die schon lange wissen wollten, wie man dieses behagliche Gefühl zwischen Geborgenheit und Genießen nennt, vielleicht mit einem Buch in der Hand, während man in einen spannenden Roman eintaucht…steht auf Seite 135 und heißt in vielen Ländern anders.

Buchinfos: dtv Verlag, Hardcover, 384 S.



Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
Roman

„Der Kochschinken glänzte und hatte fleckige Erhebungen, die aussahen wie schlecht verheilte Impfnarben.“ (S. 38). Skurril und sprachgewaltig, mit vielen originellen Einfällen stellt uns hier die Autorin Mariana Leky ein Dorf im Westerwald vor, das von seinem Zusammenhalt, trotz extravaganter Bewohner lebt. Die Ich-Erzählerin Luise ist anfangs noch ein Kind, innig verbunden mit ihrem gleichaltrigen besten Freund. Aus ihrer Perspektive entdeckt sie die innere und äußere Welt, dank Optiker (der in ihre Oma verliebt ist, es aber ihr nicht sagen kann) und ihrem Vater, der alle pausenlos dazu auffordert „mehr Welt reinzulassen“. Aber die treibende Kraft im Dorf ist Selma, Luises Großmutter, denn sie hat die Gabe (oder Macht) vorherzusehen, wer als nächstes stirbt. Nun fürchten alle, dass sie die Geträumten sind und treffen Vorbereitungen. Doch dies ist kein Roman voller Angst, auch wenn Traurigkeit und „Verstocktheit“ einen großen Raum einnehmen, es ist eine Geschichte voller Zärtlichkeit und Platz fürs Anderssein, für die Wahrnehmung der Eigenheiten, die den Charakter formen und uns zu Persönlichkeiten machen.

Buchinfos: DuMont Verlag, Hardcover



Antje Damm
Und plötzlich war Lysander da
Bilderbuch

Die Bilderbuchkünstlerin Antje Damm, die mich auch schon mit ihren großartigen Mitmachbüchern für Kinder begeisterte, baut hier eigene Kulissen für ihre Illustrationen. Sie hebt also die Zeichnungen auf eine weitere Ebene, diesmal die Welt unter der Erde. In die Mausewohnung wachsen Wurzeln, aber es brennen auch Kerzen und, o Wunder, am Ende grünt und blüht es sogar. Das haben die Mäuse Lysander, dem Lurch zu verdanken, der aus Dreck Fantasie macht. Eine zauberhafte Geschichte um die Angst vor Fremden und die Bereicherung, die der Einlass in andere Lebenswelten darstellen kann.



Buchinfos: Moritz Verlag, Hardcover, A4 Format, 36 Seiten





Anja Dollinger
Walter Moers
Zamonien
Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent
Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamonin

Endlich ein Lexikon, das die bisher erschienenen Bücher von Walter Moers zusammenfasst, zum schnellen Nachschlagen, wer ist wer in den Romanen oder zum langsamen Genießen, der wunderbaren Einfälle und Illustrationen. Das Vorher-Nachher zum Beispiel Echo aus „Der Schrecksenmeister“, also die Kratze halb verhungert und dann gemästet. Oder die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit über Hildegunst von Mythenmetz, samt seiner literarischen Erfindungen. Oder die einzelnen Wunder aus Kapt‘n Blaubär, Dimensionslöcher & Co. Die 6 häufigsten Wolpertinger-Rassen und ihre wichtigsten Charaktermerkmale oder eine Karte, die die telepathische Kommunikation in Zamonien erklärt.

Ein Buch für Fans, die sich alle Einzelheiten anders zusammengefasst, nochmal zu Gemüte führen wollen und ein Buch für Neulinge, die noch Fans werden wollen. 

Buchinfos: Knaus Verlag, Hardcover, mit vielen s/w Abbildungen


Anne Brouillard
Im Land der Chintier
Der große Wald
Bilderbuch

Trotz der verheißungsvollen Landkarte, die uns Betrachter in das Land der Chintier einlädt, geht es in der Geschichte wenig magisch zu. Der schwarze Hund Killiok, der wegen seiner nilpferdartigen Form an die Mumins von Tove Jansson erinnert, sitzt beim Kaffeetrinken in seinem gemütlichen Haus und schaut in den Regen, „der das Land überflutet.“ Doch was ist der schönste Genuss, ohne einen Freund. Er vermisst Vari von Drunter, von dem er schon seit dem Frühling nichts mehr gehört hat. Killiok lebt in Chintia, dem fantastischen Kontinent, der aus lauter Inseln besteht, die schlichte Bezeichnungen wie feuchtes Land, eisiges Land oder verschwundenes Land tragen. Dort wohnt auch Veronika, an die sich der traurige Hund wendet. Sie ist halb Mädchen, halb Frau, auf manchen Bildern meint man, dass sie hautfarbene Gummistiefel trägt, dann ist sie barfuß. Die belgische Zeichnerin Anne Brouillard nimmt es nicht so genau, mit flottem Strich hält sie eher Stimmungen fest. Hier geht es nicht so sehr um die Handlung, sondern das Setting, der Spaß an der Darstellung. Darum geraten geraten Killiok und Veronika auf der Suche durch den großen Wald auch nicht in Gefahr, sie treffen zwar einige ungewöhnliche Reisende, eine mysteriöse Katze, Mooskinder, Zwillinge, die ihre Lebensgeschichte mit sich schleppen, aber das war es dann auch schon mit dem Abenteuer – nichts hat Auswirkungen oder ist miteinander verwoben und schwupp ist der vermisste Freund gefunden. Eine schlichte Geschichte, die im Großformat farbig schöne Stimmungen enthält, den Leser aber trotz Comicelemente, in denen es leider keine weitere Ebene zu entdecken gibt, ratlos entlässt.

Buchinfos: Moritz Verlag, Hardcover, Großformat, 80 S.




Markus Orths
Max
Roman

Allein das Cover ist großartig, drei gemalte Buchstaben, das reicht um zu assoziieren, um wen es geht. Der Maler und Bildhauer Max Ernst faszinierte mich von Kindheit an, seine surrealen Bilder, seine Collagen, seine Frottagen. Dann die interessanten Frauen, Peggy Guggenheim, Leonora Carrington, Dorothea Thanning. Meist selbst Künstlerinnen, die seine Geliebten und manchmal Ehefrauen wurden. Jede erhält hier ihren Raum, darf sich entfalten. So hat der Autor, Markus Orths, seine Kapitel nach den Frauen benannt: Lou, Galapaul (in diesem Namen steht Max Ernst’s bester Freund Paul Èluard), Marie-Berthe, Leonora, Peggy und Dorothea.

Dass Markus Orths aus Max Ernst’s Leben einen über 500 Seiten starken Roman gemacht hat, hat mich sofort begeistert. Umspannt doch Ernst‘s Leben beide Weltkriege und Reisen um die halbe Welt. Dieses Buch erzählt von Freiheit, Kunst, Wahnsinn, Heimat, heißt es im Klappentext. Quasi allem, mit dem man sich im Leben auseinandersetzt. Fehlt noch die Familie, die Bindungen, die man eingeht oder durchtrennt. Max Ernst hatte einen Sohn, den er vernachlässigte und bei seiner jüdischen Mutter zurückließ, die 1944 von den Nazis ermordet wurde.


Der Roman beginnt fast am Ende in Amerika, in der Nähe eines Hopi-Reservats, geht zurück in Max Ernst’s Kindheit und sein Werden zum Künstler, die Auseinandersetzung mit dem strengen Vater, der auch ein Maler war. Aber im Gegensatz zu seinem Vater, der versucht die Natur exakt abzubilden, notfalls einen Ast des Modell-Baums abbricht, wenn der nicht zur Komposition passt, malt Max auch die innere Welt. Er malte stets mit einem offenen und einem geschlossenen Auge. Max begegnet den anderen Größen der Malerei der Moderne, u. a. August Macke, der wie er die Kalauer um seinen Nachnamen satthat. „Können heißt Gestaltenkönnen. Das innere Leben der Farben und Linien empfinden.“ (Zitat S. 35) Max Ernst bricht das Kunstgeschichtsstudium ab, verliebt sich in die junge, anerkannte Kunstkritikerin Lou, in das Sommersprossige ihres Wesens. (S. 43) Setzt sich zusammen mit seinem Freund Hans Arp und einer Künstlergruppe mit der Kunst an sich auseinander, wird Miterschaffer des Dadaismus und des Surrealismus. Was genau der Künstler schaffe, sei zweitrangig. Wie er es schaffe, darum gehe es. (S. 45)

Markus Orths lässt das vergangene Jahrhundert wiederauferstehen, mit all seiner Tragik, seinen Grausamkeiten, aber auch mit Hoffnung und Schönheit. Der Autor hat nicht nur genau recherchiert, (s. im ausführlichen Anhang mit endlich mal benutzerfreundlichen Literatur- und Filmhinweisen) er fühlt sich in jede Figur ein, erweckt sie zum Leben. Kein Charakter gleicht dem anderen, jeder hat seine Eigenheiten. Trotz der vielen Seiten, gibt es nichts Überflüssiges in dem Roman, im Gegenteil, man hofft, der Weitsinn und die Fantasie möge auch mit dem Tod von Max Ernst nicht enden. In der Tat, Orths schafft es in den letzten beiden Kapiteln noch zu verblüffen.

Dieser Roman gehört fortan zu meinen Lieblingsbüchern, ein Glück, dass Markus Orths schon viele weitere Romane geschrieben hat, die ich nun lesen werde.


Markus Orths liest aus "Max".

Hier gehts zu weiteren Infos zu Buch und Autor.  

Hanser Verlag, Hardcover, 576 Seiten





Friedrich Ani
Die Ermordung des Glücks
Ein Fall für Jakob Franck
Roman

Dunkel war’s, es regnete unaufhörlich, und der Regen und sein Mittäter, der Wind, verwischten alle Spuren, war’s nicht so? (Zitat S. 37) 
Eigen und genau darum so gut schreibt Friedrich Ani, von dem ich fast alles gelesen habe. Angefangen bei seiner großartigen Süden-Reihe, dann zurück durch seine anderen Romane und auch seine Gedichte, die ich auch sehr mag. Hier schreibt ein Poet und Sprachkünstler Krimis. Genau mein Geschmack. Nach „Der namenlose Tag“, dem ersten Fall mit Ermittler Jakob Franck, entfaltet sich dieser Roman in größtmöglicher Tragik. Ein Kind, der 11jährige Lennard Grabbe ist tot. Der Exkommissar Jakob Franck überbringt den Eltern die Todesbotschaft. Seit seiner Pensionierung übernimmt er immer noch diesen Part für die Polizei. Der Roman handelt von den Auswirkungen, wenn ein Kind stirbt. Bis wir erfahren, wer den Jungen ermordet hat, sind wir mit mehreren Lebensgeschichten vertraut. Tanja Grabbe stand im Kinderzimmer, das keines mehr war.  (S. 54) 
Kunstvoll verzahnt Friedrich Ani die Schicksale, Monologe, Lebensbeichten und Intrigen. Und wir dürfen beim Lesen die Metaphern, Sprachschöpfungen und literarischen Anspielungen genießen, die ungewöhnliche Bilder in uns wecken, den Blick weiten. Jakob Franck beschäftigt sich zum ersten Mal auch mit dem Zusammenprall von Ereignissen unterschiedlicher Verbrechen und fragt sich, ob er darin einen geheimen Hinweis finden kann. Doch bis er „das Fossil“, also das entscheidende Puzzlestück findet, um den Fall des ermordeten Jungen aufzuklären, muss er noch einige Ereignisse einordnen oder wie Ani schreibt „in einen Rahmen bringen.“  
Ani lese man am besten mit einem Bleistift und jede Menge Klebezetteln zum schnellen Wiederfinden der bemerkenswerten Stellen. Ein Buch, das lange nachklingt.

Buchinfos: Suhrkamp Verlag, Hardcover 2017




Hier liest Friedrich Ani die ersten zehn Seiten aus dem Roman. 
Und hier geht es zum Suhrkamp Verlag und weiteren Infos zum Buch. 





Walter Moers
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Roman mit farbigen Illustrationen von Lydia Rode

Wo es für andere hieß, es sei noch nicht aller Tage Abend, sagt Prinzessin Dylia: Es ist noch nicht aller Nächte Morgen. (Zitat, S. 35) Dylia ist rund um die Uhr wach und hält den Hofstaat samt Leibärzten auf Trab. Doch sie macht das beste aus ihrer Schlaflosigkeit, sie fantasiert im positiven Sinne, schöpft und erschafft. Selbst unter den langweiligsten Bedingungen langweilt sie sich nicht. Sie liebt die Sprache und übt sich im Übersetzen, d. h. sie ersetzt ein Wort oder einen Buchstaben durch andere. Oder sie ordnet ihre Träume, was so unmöglich ist wie ein „Hemd unter Wasser bügeln“. (Zitat S. 58) Eines Nachts, als sie gerade ihrer Gehirnmusik lauscht und sich ein Gedicht herbeiruft, passiert es. Ein Nachtmahr hockt auf ihr und nimmt ihr die Luft.
Mir kam die Szene bekannt vor, Moers macht eine Hommage an die Albtraum-Gemälde des Malers Johann Heinrich Füssli (1741-1825). 

The Nightmare von Johann Heinrich Füssli
Nachtmahr von Johann Heinrich Füssli


Füsslis Nachtmahr hockt wie bei ihm auf einer Frau, mal als Affe, mal mehr als kleiner Mann. Die Illustratorin Lydia Rode zeichnet eine Mischung aus beiden und erschafft den einzigartigen „Havarius Opal“. Der Gnom schildert der übernächtigten Prinzessin in sämtlichen Nuancen wie er sie in den folgenden Seiten in den Wahnsinn treiben wird. Wir, die süchtigen Moers-LeserInnen wissen aber bereits, dass jeder, ob Nachtmahr oder grusliger Opa Metus, sich an Prinzessin Dylia die Zähne ausbeißen wird (sofern vorhanden). Wir waren ja bereits auf den ersten fünfzig Seiten bei ihr zu Gast, tauchten in ihre fantastische Welt voller Gehirnmusik, zamonischer Wortschöpfungen, Träume von A bis Z ein, sodass wir fast mehr um den Nachtmahr bangen, als um die gewappnete Prinzessin. Ihr würde es selbst in Gefangenschaft nicht langweilig werden. Sie kann mit Lichtgeschwindigkeit auf einem Teppich aus gesponnenen Traumfäden durch das Universum reisen, dabei aber völlig entspannt im Lieblingssessel sitzen und mit abgespreiztem Finger perfekt temperierten grünen Tee aus einer hauchdünnenTasse aus florinthischem Porzellan schlürfen. (Zitat, S. 25) Und dann beginnt die abenteuerliche Reise in Dylias Gehirn.

Walter Moers nimmt sich Zeit, entschleunigt  das Lesen. Das ist Schreibkunst vom Feinsten. Für mich war es der erste „Moers“, welch Glück, dass ich jetzt noch so viele Bücher (ob Zamonien oder nicht) vor mir habe. Diesen Roman hat er zum ersten Mal nicht selbst illustriert, er entstand im Austausch mit Lydia Rode. Ihre zarten Aquarelle schillern durch den Text oder schlagen Purzelbäume zwischen den Zeilen. Im Nachwort schreibt er von der seltsamen Krankheit der Illustratorin, Dylia ist wohl nicht zufällig ein Palindrom.

Buchinfos:
Knaus Verlag, Hardcover und Ebook, 338 Seiten





Jens Henrik Jensen 
Oxen, das erste Opfer
Thriller

Anfangs geht es um Hunde, gequält, erhängt oder als treuer Gefährte an der Seite der noch unbekannten Hauptfigur. Die Figuren haben keine Namen. Allein aus dem Geschehen soll der Leser ergründen, um wen es sich dreht, ob „Er“ der gleiche ist, der auch im nächsten Kapitel auftritt. Das verlangt unnötige Konzentration beim Lesen. Auch wenn die Hauptfigur, Niels Oxen, ein ehemaliger Elitesoldat als interessante Figur angelegt ist, beginnt die Handlung für einen Thriller zu schleppend. Oxen, der von seinen Kriegserfahrungen schwer traumatisiert ist, ernährt sich von dem, was die dänische Gesellschaft wegwirft und lebt mit seinem Hund im Wald. Eines Tages beobachtet er ein Verbrechen und wird zum Hauptverdächtigen. Er beginnt selbst zu ermitteln und wird dabei von einer Geheimdienstmitarbeiterin unterstützt. Leider finden die komplexen Handlungsstränge mit stets wechselnden Figuren und Schauplätzen erst spät zueinander. Da dies der Auftakt zu einer Reihe ist, besteht die Chance, dass der Autor im zweiten Teil schneller beginnt und sich nicht in Nebensächlichkeiten verliert.



Ella Berthoud & Susan Elderkin mit Traudl Bünger
Die Romantherapie für Kinder

Vorab eine Warnung: Dieses Buch hat zur Folge, dass Sie sich ein paar Regalmeter mehr für neuen Lesestoff beschaffen müssen!

Wie habe ich mich gefreut, als ich entdeckte, dass das von mir heißgeliebte Buch für Erwachsene „Die Romantherapie“ nun auch für Kinder- und Jugendbücher erscheint. Das Konzept gleicht dem des Vorgängers für Volljährige, für alle Lebensbefindlichkeiten (von Abenteuerlust bis Zwilling: einer sein) gibt es ausführliche Buchvorschläge. Sie lesen sich oft schon in der Empfehlung heilsam, machen neugierig und sind auf jeden Fall immer amüsant. Bei manchen kindlichen „Leiden“ erhalten die Erwachsenen Hilfe, denn wie bekannt, braucht oft der Elternteil eine Therapie und auch das Kind wird gesund. Dazu finden sich Listen mit den zehn besten Bücher zu allem Möglichen, z. B. Bücher übers Briefeschreiben, Bücher für gehörlose Kinder und Jugendliche, Bücher übers Ausreißen usw. Als Vielleser kann man sich eine dieser Themenliste vornehmen und zur Abwechslung mal nach dieser Auswahl lesen, so erhält man viele neue Blickwinkel. Bestimmt ist auch das eigene Lieblingsbuch der Kindheit dabei oder wird wiederentdeckt. "Die Romantherapie für Kinder" und "die Romantherapie" der drei oben genannten Autorinnen sollte in jeder Apotheke auf dem Ladentisch liegen!


Buchinfos:

Insel Verlag, Hardcover und Ebook, 372 Seiten